Für ein Sterben in Geborgenheit

Die Hospizgruppe in Emmerich leistet wichtige Arbeit für die Gesellschaft. Die Nachfrage nach Sterbebegleitung ist groß. Doch was umfasst das Angebot im Einzelnen?

Bei der Hospizarbeit geht es um viel mehr als um das Sterben. Hospizmitarbeiter gehen ganzheitlich auf die Bedürfnisse von Schwerkranken und Sterbenden sowie der Angehörigen ein. Dabei zählt sowohl die physische Begleitung als auch die psychische Versorgung aller Beteiligten. Koordinatorin Stefanie Alofs weiß, wie kräftezehrend dieser Prozess sein kann - sowohl für die Familien als auch für die Ehrenamtlichen. Daher bietet die Hospizgruppe in Emmerich verschiedene Dienstleistungen an, um möglichst viel Unterstützung in allen Bereichen bieten zu können.

60 ehrenamtliche Mitglieder sind Teil der Hospizgruppe in Emmerich. 50 davon gehen in die Sterbebegleitung. Doch was umfasst das Angebot genau? Stefanie Alofs sagt: „Im Rahmen der Sterbebegleitung erreichen uns Anrufe, bei denen um unseren Beistand gebeten wird. Diese Anrufe kommen entweder von verschiedenen Senioreneinrichtungen oder von den Krankenhäusern in Emmerich und Goch, mit denen wir in einer sehr engen Zusammenarbeit stehen. Aber auch das Team der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung {SAPV) ruft uns wegen bestimmter Patienten an, die sterbenskrank sind. Man kann uns genauso gut als Privatperson ansprechen und nach unserer Hilfe fragen.“ Leider gebe es jedoch Menschen, die immer noch nichts von der Hospizarbeit wissen und hilflos Zuhause sitzen, so die Koordinatorin.

Wenn die ehrenamtlichen Mitarbeitenden über das Schicksal der betroffenen Person informiert wurden, werden diese besucht. „Bei vielen Personen geht der Prozess des Sterbens zügig, bei anderen dauert dieser bis zu einigen Monaten. Deshalb geht es bei der Sterbebegleitung nicht nur um das Sterben selbst, sondern vielmehr um die Betreuung der Menschen. Man erfüllt ihnen bestimmte Wünsche, geht beispielsweise für sie einkaufen. Aber man spaziert auch mal zusammen oder geht ein Eis essen. Da gibt es verschiedene Bedürfnisse der Betroffenen“, sagt Stefanie Alofs.

Das Hauptaugenmerk der Hospizarbeit liegt auch auf der Entlastung, Begleitung und Unterstützung der Angehörigen. Die Familien der Schwererkrankten sind durch die stetige Betreuung oft zu belastet und haben kaum mehr Zeit für sich. Wir möchten ihnen mit unserer Arbeit unter die Arme greifen, damit sie auch mal einige Stunden durchschlafen können“, sagt Stefanie Alofs.

Dabei kann sich die Hospizgruppe auf den Einsatz der Freiwilligen verlassen. Auch weitere Angebote wie das Trauercafe werden durch ehrenamtliche Mitglieder geleitet. Das Trauercafe findet im Seniorencafe der
Caritas statt und richtet sich an Menschen mit Gesprächsbedarf rund um das Thema Trauerbewältigung. Dieses Angebot werde auch gut genutzt, denn der Bedarf sei bei den Hinterbliebenen groß, so die  Koordinatorin.

Doch nicht nur für Familien, sondern auch für die Hospizmitarbeiter selbst gibt es einige Angebote. So findet der „Unter-Uns-Abend“ einmal im Monat statt. Dort tauschen sich die Ehrenamtlichen über ihre Erfahrungen bei der Sterbebegleitung aus, zünden für jeden Verstorbenen eine Kerze an und erwähnen diesen namentlich. „Unsere Ehrenamtlichen brauchen den Austausch, denn oft sind ihre Erfahrungen sehr emotional und belastend. Diese Abende werden hin und wieder mit Vorträgen gefüllt, die etwa durch Ärzte oder Vertreter der Kirchen gehalten werden. Das stößt bei den Ehrenamtlern auf großes Interesse“, erklärt Alofs.

Dankbarkeit sei auch ein wichtiger Aspekt. „Wir kriegen viele positive Rückmeldungen von Einrichtungen oder Angehörigen, die erleichtert sind, dass es die Hospizgruppe gibt. Ihre Dankbarkeit zeigt uns, dass diese Arbeit nachwievor sehr wichtig für die Gesellschaft ist. Man muss sich vorstellen, wie viele Menschen es erleichtert, zu wissen, dass jemand da ist und die Sterbenden begleitet und die Angehörigen so gut wie möglich unterstützt“, sagt Stefanie Alofs. Die Notwendigkeit für die ehrenamtliche Hospizarbeit sei überall vorhanden, die Einsatzbereitschaftt genauso. „Unsere Ehrenamtlichen brennen für ihre Arbeit, ihnen liegen Menschen wirklich am Herzen. Ich bin immer wieder aufs Neue überwältigt von dieser Barmherzigkeit.“

Ab November 2022 starten Stefanie Alofs und Dirk Meyer den neuen Befähigungskurs

Wir freuen uns, im November ds. Js. Ihnen den neuen Befähigungskurs anzubieten. Der Kurs startet am 11.11.2022 und dauer 2 1/2 Monate. Sie können Sich gerne unter der Telefonnummer 0151-15500558 anmelden. Wir freuen uns auf Sie.

Und das sind die Schwerpunkte

  • Sich begegnen (Kennenlernen und Gruppendynamik)
  • Wahrnehmen und miteinander ins Gespräch kommen
  • Abschied und Tod auf meinem Lebensweg
  • Einen Begleitung beginnen
  • Eintreten in die Welt der Hospizarbeit
  • Was mich gut durch das Leben trägt
  • Abschlussabend

Gestalten und Leiten werden diesen Kurs:

Stefanie Alofs (Koordinatorin und Trauerbegleiterun) sowie
Dirk Meyer (Pfarrer, Supervisor und Leiter der Telefonseelsorge Niederrhein / Westmünsterland)

Sieben neue Sterbebegleiter

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EMMERICH (tia) Sie begleiten Menschen auf ihren letzten Wegen und helfen ihnen, diese noch einmal neu zu gestalten: Die Hospiz-Gruppe Emmerich. Zuvor aus knapp 40 ehrenamtlichen Helfern bestehend, bildete der Verein nun sieben weitere Hospiz-Begleiter aus. Darunter Veronika Bergerfurth, Josef Bram, Fatma Colak, Jessica Duin, Marita Evers, Simone Lampe sowie Heidrun Merkle.

In einem fünfmonatigen Intensivkurs, geleitet von Koordinatorin Stefanie Alofs und dem Trainer der Telefonseelsorge, Dirk Meyer, begegneten jeden sehr unterschiedliche Perspektiven des Sterbens. Dabei wurden die Freiwilligen nicht nur mit heiklen Fragen konfrontiert, sondern lernten sogar, diese zu beantworten: Wie lässt man Menschen würdevoll sterben? Welche Kommunikation nutzt man dazu? Und woher schöpft man die Kraft dafür? Weiter eigneten sich die Ehrenamtlichen wichtige Methoden der Kommunikation, Krisenintervention sowie Schmerztherapie an. Damit werden die neuen Mitarbeiter Sterbende betreuen, aber auch deren Angehörige unterstützen können. Das enorme Engagement stieß auf große Anerkennung seitens der Kursleitung: „Die ehrenamtlichen Hospiz-Begleiter sind unser Rückgrat. Sie sind einfach unverzichtbar“, betonte Stefanie Alofs. Zudem seien die frisch Ausgebildeten vielseitig einsetzbar. „Sie können nicht nur in Familien begleiten, sondern auch in Pflege- und Senioreneinrichtungen sowie Krankenhäusern“, erklärte Alofs stolz.

Die Beteiligten hätten sich dadurch jedoch auch ein Stück weit selbst kennengelernt. „Man entwickelt seine Persönlichkeit weiter und lernt, achtsamer zu sein“, sprach Teilnehmer Josef Bram bei der Zertifikatsübergabe. Er selbst sei vor allem durch Barmherzigkeit zum Ehrenamt angetrieben worden: „Ich möchte den Leuten gerne helfen, noch einmal das Leben zu spüren. Zuvor war ich im Dienst der Trauerbewältigung tätig und nun konzentriere ich mich mehr auf das Leben davor.

Helfer wie Bram und die sechs weiteren Kursabsolventen sind bei der Hospiz-Gruppe Emmerich immer willkommen. Der nächste Kurs zum offiziellen Hospiz-Begleiter startet im September. Interessierte können sich unter folgender Nummer melden: 02822 9617878 oder per Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Dieser Kurs der Hospizgruppe ist kostenlos, die Teilnehmerzahl ist jedoch begrenzt.

Ein würdiger Festakt

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Emmerich. 30 Jahre Begleitung statt Einsamkeit: Die Hospizgruppe Emmerich feierte ein bedeutendes Jubiläum. Dazu lud der Verein am Sonntag ins PAN Kunstforum ein, das zu einer Begegnungsstätte von Tod und Leben wurde.

Als sich 1991 zehn Ehrenamtler entschlossen, dass auch Emmerich einen Hospizdienst brauche, folgte eine Zeit der Vernetzung. Ärzte, Pfleger sowie Sozialarbeiter waren schnell rekrutiert. "Vor allem aber brauchte man Menschen, die bereit waren, ehrenamtlich am Bett eines Sterbenden zu sitzen“, blickte Koordinatorin Stefanie Alofs in die Vereinsgeschichte. So sei das letzte Stück des Lebensweges oftmals schon durch einen einfachen Zuhörer bestreitbarer.

Sterbenden Einsamkeit nehmen
Nachdem die Grundsteine gelegt waren, wuchs die Rolle der Hospizgruppe in Emmerich zunehmend. Die mehr als 60 Mitglieder begleiten nicht nur Sterbende sowie Trauernde, sondern rücken das Thema Tod auch aus dem Verdrängungsschleier der Gesellschaft.
"Viele tun sich in dieser schnelllebigen Zeit schwer, den Tod an sich heranzulassen, dabei gehört er zum Leben dazu“, bestätigte der stellvertretende Bürgermeister Gerhard Gertsen das Dogma des Vereins. Um so dankbarer sei er allen Engagierten, die den Sterbenden die Einsamkeitund deren Angehörigen die Angst nehmen: „Sie sind die brennende Kerze in einem dunklen Raum, die Wärme und Orientierung gibt.“

Die Hospizgruppe schenkt ihren Patienten etwas, das am Ende des Lebens oft gefährdet scheint: Ein gesundes Maß Selbstbestimmung. Doch wo ist jene noch Lust und wann wird sie zur Last? Der baptistische Theologe Dr. Stefan Stiegler widmete sich der Sinnfrage in einem hochkarätigem Vortrag. Dazu wandte er sich zu Beginn an das Publikum, das 100 Prozent zwischen Last und Lust aufteilen sollte. Das Ergebnis: Ein buntes Bild der Uneinigkeit. „Sie sehen, dass es allein mit eigenem Empfinden zusammenhängt. Es ist keine Schande, sich helfen zu lassen“, plädierte Stiegler. Im Gegenteil: Es sei eine Zumutung, gänzlich allein Regie über den eigenen Tod führen zu müssen. Weiter kritisierte dieser die Entwicklung des Sterbeprozesses durch diemoderne Medizin. So hindere jene unheilbar Kranke oft an einem spirituellen Ende, indem sie diese zwanghaft in einem Stadium zwischen Leben und Tod hält. „Noch wichtiger als das Beatmungsgerätist das gemeinsame Singen des Lieblingsliedes des Sterbenden“, resümierte Stiegler.

Prof. Dr. Joachim van Alst, Chefarzt der Anästhesie im Emmericher Krankenhaus sowie Palliativmediziner zeigte jedoch, dass auch aus medizinischer Sicht ein selbstgestalteter Sterbeprozess gewünscht ist. "Wir bejahen das Leben, aber sehen den Tod als notwendigen Prozess“, bekundete van Alst das AND-Prinzip (Allow Nation Death). Die Medizin halte sich Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, womit er auf die Wichtigkeit aufmerksam macht. „Das sah bisher erschreckent schlecht aus. Viele haben nie eine erstellt und die Angehörigen seien überfordert.“ Mit dem Mobil der Johanniter Sternstunden erfüllt anderen Sterbenden letzte Wünsche. Nicht nur in die Hetter oder sogar bis nach Berlin: "Wir wollen dem Lelben mehr Leben geben.“

Die Jubiläumsfeier zeigte dazu, wie wichtig Organisationen wie Hospizgruppe Emmerich sind, denn alle müssen irgendwann sterben und niemand möchte einen unbekannten Weg alleine streiten müssen.

 

Quelle Foto: https://www.nrz.de/staedte/emmerich-rees-isselburg/30-jahre-hospizgruppe-emmerich-wuerdiger-festakt-im-pan-id235222049.html

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